In Rom gibt es verschiedene Arten von öffentlicher Unterhaltung kultureller oder sportlicher Art. Sie finden nicht nach einem festgelegten Spielplan wie heute statt, sondern an politischen oder religiösen Festtagen, die zwischen 3 und 10 Tage dauerten. Jede dieser Darbietungen findet an einem eigens dafür gebauten Ort statt.
Die Wagenrennen finden im Circus statt. Die Rennstrecke ist ein lang gezogenes Oval (Abb. 1). Leichte 1-Mann-Wagen mit 4 Pferden (Abb. 2) fahren im Höllentempo 7 Runden (Abb. 3), Unfälle sind sehr häufig und spektakulär (Abb. 4). Das Publikum wettet auf eine der vier nach Farben benannten Mannschaften (die Blauen, die Grünen, die Roten, die Weissen). Die modernen Formel-1-Rennen sind (abgesehen von der Technik) fast das gleiche: Zu Beginn eines Renntages betreten die Organisatoren und Rennfahrer den Circus mit einem grossen Umzug: Es gibt Musiker, Götterstatuen werden mitgetragen, die Wagen und Pferde vorgeführt. Dann begeben sich die Fahrer mit ihren Wagen in ihre Startboxen (Abb. 5). Auf das Zeichen des Veranstalters (er hält ein weisses Tuch in die Höhe und lässt es fallen) öffnen sich die Türen der Boxen und das Rennen geht los. Die schwierig Passagen sind die beiden Kurven, die man pro Runde zweimal nehmen muss. Die Überholmanöver sind immer spannend und gefährlich. Die Fahrer müssen die Zügel mehrfach um ihren Körper wickeln, sonst könnten sie sie bei diesem Tempo gar nicht halten. Deshalb besteht bei einem Unfall die Gefahr, dass die Fahrer von den Pferden zu Tode geschleift werden. Jeder Fahrer trägt deswegen einen Dolch auf sich, um im Notfall die ledernen Zügel zu zerschneiden.
Der Circus ist üblicherweise ca. 200 m lang (eine Runde entspricht also ca. 400 m) und sehr schmal (Abb. 6). Die eine Schmalseite ist gerade, dort befinden sich die Startboxen, die andere ist halbrund. In der Mitte der Rennbahn befindet sich die spina, ein mit Obelisken, Statuen und ähnlichem geschmückter ca. 10 m breiter Trennstreifen (Abb. 7). Die Zuschauer sitzen an drei Seiten (oberhalb der Startbox gab's keine Plätze) und feuern ihre Mannschaft an. Im Erdgeschoss des Circus befinden sich unzählige Läden, Kneipen, Souvenirshops, Toilettenanlagen, ja sogar ein Kultort (Mitras-Kult) und Bordelle.
Der grösste und bekannteste Circus ist der Circus Maximus in Rom (Abb. 8). Das kleine Tal zwischen den Hügeln Palatin und Aventin wurde schon in ältester Zeit (ab ca. 500 v. Chr.) für Wagenrennen benutzt. Mit der Zeit wurde der Circus immer grösser und luxuriöser. um ca. 100 n. Chr. fasste er 250'000 Zuschauer!
Der Circus war übrigens der einzige Ort, wo Männer und Frauen nicht getrennt sitzen mussten Der Dichter Ovid empfiehlt ihn deshalb in seinem Werk ars amatoria (Kunst der Liebe) ausdrücklich als hervorragenden Ort, wo man Frauen kennen lernen kann.










