"Ich bin ein Mensch: Nichts Menschliches nenne ich mir fremd." Terenz, Heautontimorumenos 77. Der nachbarlich besorgte alte Chremes, der den neu zugezogenen Menedemus über den Gartenzaun hinweg auf dessen auffällige Selbstquälerei angesprochen hat, verwahrt sich gegen die abweisende Gegenfrage: "Hast du denn bei deinen eigenen Dingen so viel Zeit übrig, daß du dich um fremde kümmern kannst, Dinge, die dich doch gar nichts angehen?" Chremes pariert den Ausfall mit einer grotesken Übersteigerung: Als Mensch, der er sei, zähle er nichts "Menschliches", nichts, was Menschen betrifft, zum "Fremden". Der Vers geht wie das ganze Stück auf den griechischen Komödiendichter Menander zurück. Die Sentenz war allgemein geläufig; Zitate finden sich bei Cicero, De officiis 1, 9, 30 (Quamquam Terentianus ille Chremes humani nihil a se alienum putat); De legibus 1, 12, 33 (Quod si ... homines humani, ut ait poeta, nihil a se alienum putarent ...); Seneca, Briefe an Lucilius 95, 53 (Ille versus et in pectore et in ore sit: Homo sum ...); vgl. auch die Anspielungen auf den Terenzvers bei Juvenal, Satiren 15, 140ff., und Ambrosius, De officiis ministrorum 3, 7, 45. Der Kirchenvater Augustin, Briefe 155, 14, bezeugt, "ganze Theater voll gewöhnlicher, ungebildeter Leute" hätten diesem Komödienvers auf offener Szene Beifall geklatscht, und das sei nicht verwunderlich: So "natürlich" sei es, ut nullus ... hominum nisi cuiuslibet hominis proximum se esse sentiret, daß "kein Mensch sich nicht als den Nächsten jedes beliebigen anderen Menschen verstehe".










