"Mühsal bezwang alles, unersättlich, und die in harten Zeiten bedrängende Bedürftigkeit", vielfach zitiert in der Form Labor omnia vincit, "Anstrengung bezwingt alles". Vergil, Georgica 1, 145f. Vergil schildert an der Stelle, Vers 118ff., den Wechsel von der paradiesischen Goldenen Zeit unter Saturns Regiment zu den folgenden härteren Weltaltern unter Jupiters Herrschaft. Jupiter drängt die üppige Fruchtbarkeit der Goldenen Zeit zurück und fordert den Erfindungsgeist des Menschengeschlechts heraus; er wollte nicht dulden - so die Vergilische Deutung des Mythos -, daß das Menschengeschlecht "in schwerer Altersträgheit erstarre". Die ersten, allmählich aufkommenden Künste, Ackerbau, Schiffahrt und Himmelsbeobachtung, Jagd und Fischfang, Bergbau und Schmiedehandwerk werden in einprägsamen Bildern berührt; die Schilderung gipfelt in dem "geflügelten" Labor omnia vicit ..., in dem Sinne: "Schwere Mühsal, unaufhaltsam um sich greifend, gewann Herrschaft über alles ..." Bei Macrobius, Saturnalien 5, 16, 7, figuriert das Wort unter den Vergilzitaten, die "sprichwörtlich in aller Munde" seien (vice proverbiorum in omnium ore funguntur); dort erscheint es erstmals in der präsentischen Form Labor omnia vincit und damit im Sinne des Allgemeinplatzes "Anstrengung bezwingt alles". Das gleichfalls Vergilische, gleichfalls dort genannte Omnia vincit Amor, "Alles bezwingt die Liebe" mag zu dem verflachenden Mißverständnis beigetragen haben, das sich seither, nicht zuletzt für den Schulgebrauch, allgemein durchgesetzt hat.










