Pro und Contra: Schnurstracks aus dem Latein...
Wir haben Mitleid. Grosses Mitleid. Mit Ihrem Mitarbeiter Martin Ebel
nämlich, der in seinen sieben Schuljahren Latein (die einzige von
ihm angegebene Qualifikation) unheimlich gelitten haben muss. Denn nur
so lässt sich die Verbissenheit zur Einseitigkeit erklären,
die aus seinem «Plädoyer» gegen Latein in der Schule herausquillt
und die wohl jede Diskussion müssig macht. Schade, denn viele seiner
Argumente liessen sich widerlegen, vorab die unbewiesenen Behauptungen
(«16% des französischen Grundwortschatzes...») und die
Angaben, die schlicht falsch sind (Latein wird wohl zum Antritt des Medizinstudiums
nicht mehr überall verlangt, in der Praxis des Studiums aber ist
es erwiesenermassen ein Vorteil). Wir hätten gerne die Konsequenzen
der Ebel'schen Theorie gelesen. Etwa so: Wie der Mathematiker das «gebüffelte
Latein» nie wird brauchen können, so wird etwa der Bänkler
seine Muskeln nie strapazieren, also: Turnunterricht weg, verlorene Lebenszeit.
Und wozu noch überhaupt Fremdsprachen lernen, wenn der wohl herbeigesehnte
Zustand derjenige der binären Sprache ist, allenfalls mit einigen
wenigen Brocken Cyberamerikanisch versetzt? Übrigens: Das Wort «Objektivität» kommt schnurstracks aus dem Lateinischen...
J. B. Ansermoz, Lutry