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Latein
IV.IV.MMVII  
Pro und Contra: Schnurstracks aus dem Latein...

BAZ
31. März 2000

Wir haben Mitleid. Grosses Mitleid. Mit Ihrem Mitarbeiter Martin Ebel nämlich, der in seinen sieben Schuljahren Latein (die einzige von ihm angegebene Qualifikation) unheimlich gelitten haben muss. Denn nur so lässt sich die Verbissenheit zur Einseitigkeit erklären, die aus seinem «Plädoyer» gegen Latein in der Schule herausquillt und die wohl jede Diskussion müssig macht. Schade, denn viele seiner Argumente liessen sich widerlegen, vorab die unbewiesenen Behauptungen («16% des französischen Grundwortschatzes...») und die Angaben, die schlicht falsch sind (Latein wird wohl zum Antritt des Medizinstudiums nicht mehr überall verlangt, in der Praxis des Studiums aber ist es erwiesenermassen ein Vorteil). Wir hätten gerne die Konsequenzen der Ebel'schen Theorie gelesen. Etwa so: Wie der Mathematiker das «gebüffelte Latein» nie wird brauchen können, so wird etwa der Bänkler seine Muskeln nie strapazieren, also: Turnunterricht weg, verlorene Lebenszeit. Und wozu noch überhaupt Fremdsprachen lernen, wenn der wohl herbeigesehnte Zustand derjenige der binären Sprache ist, allenfalls mit einigen wenigen Brocken Cyberamerikanisch versetzt? Übrigens: Das Wort «Objektivität» kommt schnurstracks aus dem Lateinischen...
J. B. Ansermoz, Lutry