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Latein
IV.IV.MMVII  
Pro und Contra: Selbst für Relikte dankbar

BAZ
3. April 2000

«Latein in der Schule - das ist schlicht verlorene Lebenszeit», BaZ Nr. 69

Über das Thema «Lateinunterricht heute» liesse sich pro und contra wohl endlos diskutieren: Das Contra bot ein ausführlicher Artikel der BaZ vom 22. März, der Widerspruch hervorrufen musste. Da dies von vornherein klar, wenn nicht beabsichtigt war, möchte auch ich es mir aber nicht versagen, dazu Stellung zu nehmen. Nach neun Jahren Latein am Gymnasium (nebst sieben Jahren Altgriechisch) und dem Matur-Abschluss des so genannten «Grossen Latinum» bedaure ich heute nur eines: nämlich in meinen jungen Jahren zu blöde gewesen zu sein, die mir damals gebotene Chance wirklich zu nutzen. Dennoch bin ich selbst für die Relikte dankbar, die mir aus dem Umgang mit den alten Sprachen verblieben sind - nicht nur wegen der Sprache an sich, sondern auch auf Grund der ungleich engeren Beziehung zur Kultur der Menschen, die sie einstmals gesprochen haben.

Und was den praktischen Wert so genannter «toter Sprachen», in diesem Falle des Lateins, angeht: Auch ich habe mich später in moderne Sprachen eingearbeitet (allein Englisch lernten wir damals schulmässig am Gymnasium), aber gerade deshalb weiss ich genau, dass mir meine rudimentären Latein-Kenntnisse das Erlernen der romanischen Sprachen ausserordentlich erleichtert haben. Auch in diesem Punkt widerspreche ich daher dem Autor des BaZ-Artikels, der den praktischen Nutzen des Lateins leugnet.

Detlef Götz, Arisdorf