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Latein
IV.IV.MMVII  
Pro und Contra: Selbst für Latein entschieden

BAZ
27. März 2000

Was ACI oder Abl. Abs. (tönt komplizierter, als es ist) anbelangt, das sind halt gewisse Grammatikregeln, die man wie in allen anderen Sprachen lernen und verstehen muss. Ausnahmen wie «ferre, fero, tuli, latum» gibt es halt, das sind aber nur wenige unregelmässige Verben. Dass Latein nicht immer logisch und einfach ist, das ist bedingt, wir sind ja schliesslich zum Lernen da. Vom Wortschatz her ist es für die Lateiner sicherlich viel einfacher, Italienisch oder Spanisch zu lernen. Dass nicht alle Wörter der romanischen Sprache vom Latein kommen, ist klar; das Latein bietet aber trotzdem beim Lernen einer dieser Sprachen Vorteile.

Aber ist es das Ziel des Lateinlernens, alle romanischen Sprachen sprechen zu können? Ist das das Ziel der sieben Lateinjahre? Sicher nicht! Schon in den ersten Monaten des Lateinlernens lernt man bereits vieles über die Kultur und den Alltag der Römer, nicht erst mit Caesar, Sallust oder Cicero. Der Meinung, von der Kultur der Antike sei im Unterrichtsalltag nichts mehr zu spüren, stimme ich überhaupt nicht zu. Natürlich muss die Grammatik irgendwann gelernt werden. Im ersten Schritt lernen wir die einzelnen Grammatikbausteine und wenden sie in Übungen an. Im zweiten Schritt beginnen wir Texte zu übersetzen, die natürlich mit den anstehenden grammatischen Problemen angereichert wurden. Aber was man übersetzt, das ist es! Denn auch römische Sagen können schon früh gelesen werden, natürlich vereinfacht, versteht sich. Oder eine Gruselgeschichte, bei deren Übersetzung man erfährt, dass nicht standesgemäss begrabene Leichen so lange herumgeistern, bis sie sittlich begraben werden.
Mit Latein kennt man auch die Herkunft vieler Wörter. Ein Beispiel: Jemand schreibt ein E-Mail oder befasst sich sonst mit dem Computer. Irgendwann wird er sich vielleicht überlegen, von wo das Wort «Computer» kommt. Was für ein komisches Wort. Von der Aussprache her sicher aus dem Englischen. Aber was ist die wirkliche Herkunft? Ist dieser Jemand ein Lateiner, so wird er sicher anfangen, in seinem Lateinwortschatz zu suchen. Irgendwann wird er sicherlich darauf kommen, dass «Computer» vom lateinischen Verb computare kommt (computare = berechnen, ursprünglich war der Computer ja für das da...). Ist das denn nicht interessant, dass sogar neuste Erfindungen des 20. Jahrhunderts, als man schon sagte, dass Latein eine Sprachruine sei, mit dem Latein zusammenhängen?
Übrigens sind es nur noch sehr selten die Eltern, die für ihre Kinder entscheiden, Latein zu nehmen: Ich habe mich für Latein entschieden und bereue es nicht.

Lea Landolt, 1A GM, Riehen